Das Nibelungenlied

oder der Zickenkrieg vor dem Wormser Münster, der zum Tod vieler Helden führte

Beim Nibelungenlied kommt einem zunächst Siegfrieds Drachenkampf in den Sinn, untermalt vielleicht mit dunkel dräuenden Akkorden aus Wagners Ring des Nibelungen. Liest man das Nibelungenlied in einer Übersetzung des Originals, dann stellt man erstaunt fest, dass die Episode mit dem Drachen hier nur flüchtig gestreift wird und dass Siegfried den Nibelungenhort gar nicht – wie allgemein angenommen – vom Drachen gewinnt, sondern von den Söhnen des Königs der Nibelungen. Der Zwerg Alberich bewacht ihr Erbe, den Nibelungenschatz. Siegfried tötet die Söhne und raubt Alberich den Hort und die unsichtbar machende Tarnkappe.

Wer sind überhaupt die Nibelungen? Ein Zwergenvolk, wie wir hier erfahren. Eine Untergruppe der Alben: Schwarzalben. Doch später werden auch Siegfrieds Mannen und die Burgunder als Nibelungen bezeichnet. Der Name ist also an den Besitz des Schatzes, dem Nibelungenhort, gebunden.

Siegfried badet im Blut des Drachen

Die bekanntere Version vom Gewinn des Nibelungenhorts erzählt die Jüngere Edda des Snorri Sturluson (siehe Edda): Fafnir und Regin (Söhne eines zauberkundigen Bauern – bei Wagner werden sie zu den Riesen Fasolt und Fafner) töten ihren Vater, um an den Hort zu gelangen, den dieser von den Göttern erhalten hatte. Fafnir prellt Regin um den Hort und verwandelt sich in einen Drachen, um den Schatz zu bewachen. Regin wird Schmied und nimmt den jungen Sigurd in die Lehre. Er führt Sigurd zu Fafnir. Sigurd ersticht den Drachen mit dem Schwert Gram, das Regin geschmiedet hat.

Im Nibelungenlied kommt Siegfried zu Gunther, dem König der Burgunder. Er hilft ihm – unter der Tarnkappe verborgen – durch einen Wettkampf Brünhild, die zaubermächtige Königin von Island, als Braut zu gewinnen. Zum Dank dafür gibt Gunther Siegfried Kriemhild, seine schöne Schwester, zur Frau.

Brünhild und Gunther

In der Hochzeitsnacht ergreift Brünhild den von ihr nicht gewollten Gunther, fesselt ihn mit ihrem Gürtel und hängt ihn an einen Nagel an der Wand auf. Siegfried kommt Gunther abermals zu Hilfe: Durch die Tarnkappe gedeckt, ringt er in der nächsten Nacht Brünhild im Schlafzimmer nieder. So kann Gunther ihr die Jungfräulichkeit nehmen, wodurch sie ihre magische Kraft verliert und fortan seine gehorsame Ehefrau wird.

Brünhild und Kriemhild

In einem Streit zwischen Brünhild und Kriemhild über den Rang ihrer Männer gibt Kriemhild das Geheimnis preis, wie Siegfried an Gunthers Stelle Brünhild bezwingen konnte. Zornig beschließt Brünhild Siegfrieds Tod und gewinnt in Hagen von Tronje einen Mitverschworenen. Hagen überredet Gunther, dass der Tod Siegfrieds ihnen Vorteile bringen würde. Unter dem Vorwand, Siegfried in einem angeblich bevorstehenden Krieg beschützen zu wollen, entlockt Hagen Kriemhild das Geheimnis von Siegfrieds verwundbaren Stelle. (Durch Baden im Drachenblut war Siegfried unverwundbar geworden. Nur nicht zwischen den Schulterblättern, wo das Blut durch ein herabgefallenes Lindenblatt nicht an die Haut gekommen war.) Kriemhild kennzeichnet diese Stelle durch ein Kreuzchen auf seinem Hemd. Hagen von Tronje ermordet den ahnungslosen Siegfried hinterrücks auf der Jagd.

Kriemhild ist untröstlich. Schließlich versöhnt sie sich mit Gunther zum Schein. Nur Hagen wagt sich nicht mehr in ihre Nähe. Auf Anraten ihrer Brüder lässt Kriemhild den Hort aus dem Zwergenlande nach Worms bringen. Doch bald darauf reitet Gunther mit seinen Mannen außer Landes. Hagen nutzt die Gunst der Stunde, Kriemhild zu schwächen: Er raubt den Hort und versenkt ihn im Rhein.

Hagen von Tronje versenkt vor den Augen der Rheintöchter den Nibelungenhort im Rhein

Das Nibelungenlied hat noch einen zweiten Teil. Im zweiten Teil des  heiratet Kriemhild 13 Jahre später den Hunnenkönig Etzel (Attila). Sie sorgt dafür, dass ihr Mann die Burgunder zu einem Hoffest ins Land der Hunnen einlädt, um grausame Rache für Siegfrieds Tod zu nehmen.

Bald gelingt es Kriemhild, zwischen den Burgundern und Hunnen einen blutigen Kampf zu entfachen, bei dem fast alle Helden fallen. Dietrich von Bern, einer der Kämpfer, lebt mit seinem treuen Waffenmeister Hildebrand am Hofe Etzels. Da er in Kriemhilds Diensten steht, kämpft er gegen die Burgunder, denen er sich doch verbunden fühlt. So kommt es, dass er seine Freunde Gunther und Hagen gefangen nehmen muss.

Kriemhild zeigt Hagen Gunthers Haupt

Kriemhild lässt ihren Bruder Gunther enthaupten. Doch selbst angesichts Gunthers abgetrenntem Haupt weigert Hagen sich, das Versteck des Hortes preiszugeben, woraufhin Kriemhild ihm eigenhändig den Kopf abschlägt. Entsetzt darüber, dass der Held Hagen durch die Hand einer Frau gestorben ist, erschlägt Hildebrand Kriemhild. So endet das Nibelungenlied mit dem Tod aller Burgunder.

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