Die Edda

Vom Schicksal der Asen (der germanischen Götter) erfahren wir aus der Edda (altisländisch für: Großmutter). Vermutlich ist der Titel ein Hinweis auf das hohe Alter und tiefe Wissen der Schriften.
Die Ältere Edda, auch Lieder-Edda genannt, ist eine Sammlung von 40 Liedern, deren erstes, die Völuspa (der Seherin Weissagung), von der Entstehung der Welt, dem Urriesen Ymir, und vom Weltende Ragnarök, berichtet. Die Seherin erzählt von der Erschaffung der Zwerge und der ersten Menschen, Ask (Askr) und Embla, und von der Weltesche Yggdrasil, an deren einer Wurzel die Nornen leben, die Schicksalsgöttinnen. Die älteste der drei Schwestern, Urd, wacht über die Vergangenheit, Verdandi sorgt für die Gegenwart, und Skuld, die jüngste, schaut in die Zukunft.

Die drei Nornen Urd, Verdandi und Skuld

Die Jüngere Edda, auch Snorra-Edda oder Prosa-Edda genannt, ist ein Werk des Dichters, Historikers und Politikers Snorri Sturluson. Snorri wurde 1179 in Island als Spross einer mächtigen Familie geboren. Er wurde im isländischen Parlament, dem Althing, zum Gesetzessprecher. 1241 ließ ihn der norwegische König ermorden, da er ihn in einen Aufstand gegen sich verwickelt glaubte.

Snorri Sturluson, der Autor der Jüngeren Edda

Obwohl Snorri Sturluson bereits in christlicher Zeit lebte, schrieb er ein Buch mit heidnischen Sagen, seine Edda. Im Gylfaginning, dem Hauptteil seines Buches, gibt Snorri einen Abriss der gesamten nordgermanischen Mythologie, indem er König Gylfi die Götter nach kosmischen Dingen befragen lässt. Am Ende interpretiert Snorri Gylfis Gespräch mit den Göttern als Sinnestäuschung (Gylfaginning: Gylfis Täuschung).
Genau werden im Gylfaginning die Weltesche Yggdrasil und die in ihr lebenden Tiere beschrieben: Der weise Adler in der Baumkrone, zwischen dessen Augen der Habicht Wedrfölnir sitzt (Wedrfölnir wird als Wettermacher gedeutet). Das Eichhörnchen Ratatösk (auch Ratatöskr: Nagezahn), das die Weltesche hoch und runter läuft und Zankworte zwischen dem Adler in der Baumkrone und dem Neiddrachen Nidhögg (siehe Kosmos) an der Wurzel hin und her trägt.

Im Wipfel der Weltesche Yggdrasil

An den Wurzeln der Weltesche Yggdrasil befinden sich drei Quellen: Die Quelle der Urd, der ältesten Norne, die Quelle Hvergelmir (brodelnder Kessel) und Mimirs Brunnen. Mimir ist ein weiser Riese, den seine Feinde, die Wanen, köpften. Von Mimirs lebendigem Haupt, das an der Quelle liegt, erfährt Odin die Zukunft. Die Schlangen Goin und Moin fressen an den Wurzeln des Weltenbaums, die Hirsche Dain, Dwalin, Dunneir und Durathror, nagen an seinen Zweigen. Auf dem Dach Walhalls steht die Ziege Heidrun und frisst die jungen Triebe des Baumes Lärad, der mit Yggdrasil gleichgesetzt wird, da er sich auch im Zentrum der Welt und über der Quelle Hvergelmir (auch Hwergelmir) befindet. Aus Heidruns Euter fließt Met für die gefallenen Krieger.
Ein anderer Adler sitzt am nördlichen Ende des Himmels. Es ist der Riese Hräswelgr (Leichenschwelger), der die Gestalt eines Adlers angenommen hat und mit seinen Schwingen den Wind erzeugt (in manchen Nacherzählungen der Sagen werden die beiden Adler gleichgesetzt).

Thor, Hymir und die Midgardschlange

Snorris Version weicht teilweise von den Liedern der älteren Edda ab: Im Hymirlied der älteren Edda, das von Thors Begegnung mit der Midgardschlange berichtet, schlägt Thor der Schlange mit seinem Hammer Mjölnir aufs Haupt, dass die Felsen krachen und die Klüfte heulen. Bei Snorri Sturluson entkommt die Schlange, da Hymir, ein Riese, Thors Angelschnur rechtzeitig kappt.

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