Alberich, Herrscher der Alben

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Der Zwerg Alberich erscheint in den Sagen in unterschiedlichster Gestalt. Zum boshaften Zwerg wird er erst in Wagners Ring des Nibelungen (siehe unten).

Alberich spielt im Nibelungenlied eine Rolle. Weniger bekannt ist, dass er auch in der Sage von Ortnit, dem König der Lamparten (Lombardei, nördliches Italien), eine Rolle spielt.

Ortnit findet auf einer Blumenaue ein schlafendes Kind: Alberich. Erwacht, entwickelt der Zwerg erstaunliche Kräfte und kämpft mit dem König. Durch einen Ring, den er Ortnit vom Finger zieht (ein Geschenk von Ortnits Mutter), macht er sich unsichtbar.

Schließlich stellt sich heraus, dass Alberich Ortnits Vater ist. Alberich, der bereits 500 Jahre alt ist, war mit Ortnits Mutter eine heimliche Ehe eingegangen, nachdem ihre eigentliche Ehe kinderlos blieb. Ortnit erhält von seinem Vater Alberich und dessen dienstbaren Zwergen eine Rüstung und das in Drachenblut gehärtete Schwert „Rosen“. Mit Hilfe des Ringes kann er Alberich jederzeit in Not herbeirufen.

In dieser Sage erscheint der Zwerg also in der Gestalt eines Alben im ursprünglichen Sinne: als elfenhaftes Wesen.

Ganz anders im Nibelungenlied: Alberich ist ein Nibelung. So heißt ein Zwergenvolk, bevor der Name „Nibelungen“ auf alle übergeht, die mit dem legendären Schatz dieser Zwerge zu tun haben. Siegfried tötet die beiden Könige dieses Zwergenvolks, Schilbung und Nibelung. Daraufhin wird er von Alberich, den Hüter des Horts, angegriffen. Er bezwingt Alberich und nimmt ihn in seine Dienste: als Verwalter des Schatzes.

Siegfried erbeutet von Alberich eine unsichtbar machende Tarnkappe. Es handelt sich nicht um eine Kappe im heutigen Sinn, sondern entsprechend des frühmittelalterlichen Sprachgebrauchs um eine Cappa (vergleichbar mit engl. Cape), also um einen Tarnmantel.

Später schaut Siegfried nach seinem Schatz. Da er sich verstellt, wird er erneut von Alberich angegriffen. Hier gibt das Nibelungenlied eine genauere Beschreibung des Zwerges: Alberich trägt Helm und Panzer und kämpft mit einer goldenen Geißel, deren sieben schwere „Knöpfe“ so hart an Siegfrieds Schild schlagen, dass Stücke herausbrechen. Alberich erweist sich hier als wahrer Recke, der selbst den Helden Siegfried in Bedrängnis bringen kann. Doch schließlich bezwingt ihn Siegfried doch, und zwar mit bloßen Händen, um ihn nicht zu verletzen: Er packt den uralten Zwerg beim Bart und zerrt so rau, dass dieser aufschreit und um Gnade bittet.

In der nordischen Fassung des Nibelungenlieds, der Erzählung von Sigurd (in der Jüngeren Edda), nimmt der Zwerg Andwari („der Vorsichtige“) Alberichs Rolle ein. Andwari ist der Sohn des Zwerges Oin. Über ihn verhängt eine Norne bei seiner Geburt, dass er im Wasser leben soll. Fortan lebt er als Hecht und wird schließlich vom Feuergott Loki gefangen. Loki presst ihm für die Götter seinen Goldschatz ab. Als Loki auch noch den magischen Ring fordert, mit dem Andwari sein Gold wieder vermehren könnte, belegt der Zwerg den Ring mit einem Fluch: Jedem, der den Ring besäße, solle er das Leben kosten.

Diesen Fluch macht Richard Wagner in seinem Ring des Nibelungen zum Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Der Zwerg Alberich wirbt vergebens um die drei Rheintöchter (drei Wasserfrauen) und raubt ihnen schließlich aus Rache das Rheingold, das sie hüten.

Aus dem Gold schmiedet er sich einen Ring, der ihm Macht verleiht. Dies kann nur einem Wesen gelingen, das der Liebe abschwört. Alberich leistet diesen Schwur und herrscht fortan über die Schwarzalben, die nun für ihn Gold schürfen müssen. Als ihm Wotan und Loge (Wagners Name für Loki) den Schatz abnehmen, verflucht er wie Andwari den Ring.

Erst in Wagners Ring wird Alberich also zum bösen Zwergenherrscher mit struppigem Haar und stechendem Blick, der seine Artgenossen mit der Peitsche antreibt: ein Schwarzalbe, wie man ihn sich – vermutlich erst seit Wagners Ring – vorstellt.