Der Ring des Niflungen

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Des Niflungen? Das ist kein Schreibfehler. Und doch geht es hier natürlich im Grunde um den Ring des Nibelungen.

Siehe auch: Wer waren die Nibelungen (und die Niflungen)?

Aufgrund von Wagners Ring des Nibelungen könnte man denken, im Nibelungenlied würde ein Ring im Zentrum stehen, wie etwa in Tolkiens Herr der Ringe. Jedoch mischt Richard Wagner verschiedene Überlieferungen. Im Nibelungenlied wird nur beiläufig ein Ring erwähnt: Siegfried zieht ihn von Brünhilds Finger. Hieran erkennt sie später, dass es nicht Gunther war, der sie als Brautwerber bezwungen hat, sondern Siegfried.

Bei Wagner raubt der Zwerg Alberich den Rheintöchtern das Rheingold und schafft daraus den Ring, den er später verflucht. Die Vorlage hierzu findet sich in der Jüngeren Edda, in der Erzählung von den Niflungen (den nordischen Pendants zu den Nibelungen) und Giukungen. Jedoch heißt der Zwerg hier Andvari (auch Andwari) und die Geschichte weicht deutlich von Wagners Version ab:

Odin, der Feuergott Loki und Hönir ziehen einst los, die Welt zu erkunden. (Hönir ist ein schweigsamer Gott. Seine Rolle in der Götterwelt ist eher unklar.) Loki erlegt einen Otter. Dann kehren die drei Asen zur Nacht bei dem zauberkundigen Bauer Hreidmar ein. Als Hreidmar den toten Otter sieht, nehmen er und seine Söhne Fafnir und Regin die Gäste gefangen: Denn der Otter war Otr, der dritte Sohn Hreidmars, der sich gelegentlich in einen Otter verwandelte, um Lachse zu fangen.

Die Asen bieten dem Bauern ein Lösegeld. Hreidmar schlägt ein. Der Otter wird abgezogen. Die Götter sollen seinen Balg mit Gold füllen und auch von außen einhüllen. Loki soll das Gold besorgen. Er begibt sich nach Schwarzalbenheim, dem Reich der Zwerge, fängt dort den Zwerg Andvari (der verwandelt als Fisch im Wasser schwamm) und zwingt ihn, sein Gold herauszurücken.

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Loki fordert von Andvari den Ring

Als Loki bemerkt, dass Andvari einen goldenen Ring zu verbergen sucht, fordert er auch den. Der Zwerg bittet, den Ring behalten zu dürfen, denn mit ihm kann er seinen Schatz wieder vermehren. Doch Loki bleibt hart. Da verflucht Andvari den Ring, dass er „zwei Brüdern das Ende bringen und acht Fürsten verderben soll“.

Loki kehrt mit dem Gold zurück. Die Götter füllen den Balg und hüllen ihn auch von außen ganz mit Gold. Nur den Ring hält Odin zurück. Doch als Hreidmar das Werk betrachtet, entdeckt er noch ein Barthaar, das zwischen dem Gold hervorschaut. Um dies auch noch zu verdecken, muss Odin den Ring hergeben. Als die Götter sich entfernen dürfen, erzählt Loki dem Hreidmar noch, dass der Ring „Andvaranaut“ (Andvaris Geschenk) verflucht ist.

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Hreidmar beobachtet, wie Loki den Otternbalg in Gold hüllt

Der Fluch erfüllt sich auch bald: Fafnir und Regin verlangen vom Vater einen Teil des Goldes, doch der gibt ihnen nichts. Da töten ihn die beiden. Anschließend prellt Fafnir Regin um seinen Anteil. Dies gelingt ihm, da er sich Hreidmars Schwert und Helm genommen hat: Das Schwert Hrotti und den Oegishelm (den Schreckenshelm). Er zieht mit dem Gold und dem Ring Andvaranaut zur Gnitaheide, nimmt dort ‚Schlangengestalt‘ an (d. h. vewandelt sich in einen Drachen) und lagert sich auf dem Gold.

Regin (auch Reginn) flüchtet und wird Schmied, später der Ziehvater von Sigurd (Pendant zu Siegfried). Sigurd erfüllt den Fluch, dass „zwei Brüder das Ende finden“. Er schmiedet das Schwert Gram, zieht von Regin geleitet zur Gnitaheide und tötet Fafnir (siehe Sigurd und die Niflungen) und anschließend auch Regin.

Bei Richard Wagner heißen die Brüder Fafner und Fasolt. Sie sind nicht die Söhne Hreidmars, sondern Riesen, die den Göttern eine Burg bauen. Hier verwendet Wagner die Sage vom Riesenbaumeister (über die Sage vom Riesenbaumeister siehe unter Loki). Fafner erschlägt Fasolt und wird zum Drachen. Die Rolle des Regin übernimmt der Zwerg Mime. Er ist der Bruder Alberichs, der den Ring geschaffen hat. Mime lehrt Siegfried das Schmieden und führt ihn zur Drachenhöhle, wo Siegfried den Drachen Fafner und anschließend Mime tötet.

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Der Ring Draupnir

Von einem anderen sagenhaften Ring, dem Ring Draupnir, erzählt die Sage vom Wettschmieden der Zwerge: Loki schneidet Thors Frau hinterlistigerweise das Haar im Schlaf ab. Thor zwingt ihn, bei den Schwarzalben neues goldenes Haar zu besorgen.

Loki besorgt dort außer dem Haar noch weitere Kleinode: Odins Spieß und das Schiff Skidbladnir, das man winzig klein zusammenfalten kann. Mit diesen Dingen im Gepäck begegnet er dem Zwerg Brokk und wettet mit ihm, dass dessen Kunstreicher Bruder Sindri nicht drei ebenso gute Sachen machen kann.

Sindri schmiedet darauf hin einen Eber mit goldenen Borsten, den Hammer Mjölnir (Thors Hammer) und den Ring Draupnir, von dem in jeder neunten Nacht acht ebenso kostbare Ringe niederträufeln.

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Sindri mit dem Ring Draupnir, von dem acht Ringe niederträufeln

Die Zwerge gewinnen die Wette. Damit verfällt ihnen Lokis Haupt, doch durch eine List rettet der Feuergott sein Leben. Schließlich dürfen sie ihm nur den Mund zunähen.