Wie Mjölnir, Thors Hammer, erschaffen ward

zurück zur Übersicht

Das Wettschmieden der Zwerge

Über die Erschaffung von Thors Hammer Mjölnir berichtet die Sage vom Wettschmieden der Zwerge. Die Zwerge Sindri und Brokk schaffen Mjölnir als Ergebnis ihrer Bemühungen, die Werke anderer Zwerge zu übertreffen. Diese anderen Zwerge werden in der Edda nur als die Söhne Ivaldis – auf den nicht näher eingegangen wird – bezeichnet.

Dass es überhaupt zu dem Wettschmieden kam, lag an dem Feuergott Loki. Was Loki widerfuhr und wie der Zwerg Brokk in der Schmiede von einer Fliege gepeinigt wurde, hierum dreht sich im Wesentlichen die humorvolle Sage, die hier wiedergegeben wird.

Einst hatte Loki hinterlistig Thors Gattin Sif im Schlaf das Haar abgeschoren, wurde aber von Thor erwischt. Er versprach Thor, von den Schwarzalben neues Haar für Sif zu besorgen.


Loki schneidet Thors Gattin Sif das Haar ab

Kunstreiche Zwerge (eben die besagten Söhne Ivaldis), schufen ihm goldenes Haar, das an- und nachwachsen konnte. Außerdem fertigten sie noch den Spieß Gungnir, der Odins Speer wurde, und das Schiff Skidbladnir, das man so klein zusammenfalten konnte, bis es in eine Tasche passte.

Mit diesen Dingen im Gepäck, traf Loki den Zwerg Brokk. Als Brokk sagte, dass sein Bruder Sindri ebenso wundervolle Dinge schaffen könne, wettete Loki seinen Kopf dagegen. Die Zwergenbrüder machten sich ans Werk. Sindri befahl Brokk, den Blasebalg nicht ruhen zu lassen und verließ die Schmiede, während das erste Werk in der Esse glühte.

Da setzte sich eine Fliege auf Brokks Hand und stach ihn. Aber Brokk hielt aus, bis sein Bruder zurückkam und das erste Stück aus der Esse nahm: einen Eber mit goldenen Borsten.

Sindri begann ein zweites Werk. Wieder ging er weg, wieder schärfte er vorher Brokk ein, ja den Blasebalg nicht ruhen zu lassen. Die Fliege kam erneut und stach Brokk diesmal in den Hals. Doch Brokk blieb standhaft bis auch das zweite Werk fertig war: der Ring Draupnir, von dem in jeder neunten Nacht acht neue Ringe abtropfen.

Auch beim dritten Werk verließ Sindri die Schmiede. Diesmal flog die Fliege auf Brokks Kopf, setzte sich zwischen die Augen und stach ihm in die Augenlider, dass ihm das Blut in die Augen rann und er nichts mehr sehen konnte. Da ließ er kurz den Blasebalg ruhen und verjagte die Fliege.


Brokk und die Fliege

Fast wäre das dritte Werk dadurch mißraten. Es war der Hammer Mjölnir (der Malmer), dessen Stiel nun etwas zu kurz ausgefallen war.

In vielen Nacherzählungen der Sagen heißt es, dass Loki die Fliege war. Dies erscheint im Sinne einer märchenhaften Erzählung auch logisch, wird in der Edda – die Erzählung steht im Skaldskaparmal (dem 2. Buch der Jüngeren Edda) – jedoch nicht erwähnt.

Die Götter wurden zu Schiedsrichtern zwischen Loki und den Zwergen aufgerufen. Den Hammer Mjölnir gab Brokk Thor und führte seine Vorzüge an: Mjölnir kann nie Schaden nehmen, wie stark Thor auch immer zuschlägt. Immer kehrt er in Thors Hand zurück, wenn er geworfen wird. Und wenn Thor will, wird Mjölnir so klein, dass er ihn unter seiner Kleidung verbergen kann.

Die Götter erklärten den Hammer Mjölnir zum besten Werkstück. Damit war Lokis Haupt dem Zwerg Brokk verfallen. Loki floh, aber Thor ergriff ihn. Als Brokk ihn enthaupten wollte, sagte Loki, dass er seinen Kopf, aber nicht seinen Hals verwettet habe. Da wollte Brokk dem Loki den Mund zunähen, damit er verhungern müsse, aber das Messer, mit dem der Zwerg die Löcher stechen wollte, schnitt nicht.

Mit seines Bruders Ahle (ein Stechwerkzeug) würde es schon gelingen, fluchte Brokk. Da kam Sindris Ahle wie durch ein Wunder in seine Hand, und er nähte Loki den Mund zusammen – mit einem Riemen, der seitdem Wartari (Lippenreißer) hieß.

So endet die Erzählung in der Edda, ohne das weitere Schicksal Lokis zu erwähnen. In einer Nacherzählung der Sage heißt es, Loki riss die Nahtränder auf, und wie sehr die Wunden auch schmerzten, hatte er damit doch das Verhängnis (des Verhungerns) von sich abgewehrt.

……………………………………………………………………………………………………………

Das Thyrm-Lied in der Älteren Edda

Ebenso witzig wie die Sage vom Wettschmieden der Zwerge in der Jüngeren Edda berichtet das Thyrm-Lied der Älteren Edda vom Diebstahl und der Wiederbeschaffung des Hammers Mjölnir.

Der Riese Thyrm klaut dem schlafenden Thor den Hammer und will ihn nicht herausgeben, es sei denn, ihm wird die Göttin Freyja (auch Freya oder Freia) als Braut zugeführt. Thor und Loki suchen den Riesen in Frauenkleidern auf – als die Braut Freyja und ihre Magd.

Bei Tisch verspeist Thor alleine einen Ochsen, acht Lachse und alle Süßigkeiten. Dazu trinkt er drei Kufen Met. Das macht Thyrm misstrauisch: „Wer sah je Bräute gieriger schlingen?“ Loki beschwichtigt ihn, indem er sagt, dass Freyja vor Sehnsucht nach Riesenheim acht Nächte (und Tage) nichts genossen hat.

Um die Braut zu weihen wird ihr – also dem verkleideten Thor – der Hammer Mjölnir in den Schoß gelegt. Thor ergreift Mjölnir und erschlägt die Riesen.