Odin, Wotan

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Odin (oder Wotan) ist der Toten- und Kriegsgott, und der Gott der Ekstase. Zum höchsten Gott der Germanischen Mythologie ist Odin vermutlich erst zu Beginn der Wikingerzeit geworden. Dass er die Wilde Jagd anführt, ein durch den Nachthimmel brausendes Gespensterheer, weist darauf hin, dass Odin auch der Gott des Sturmes ist. Sein althochdeutscher Name Wuotan ist von Wut abgeleitet.

Odin

Odin reitet das achtbeinige Totenpferd Sleipnir und wird von Tieren des Schlachtfeldes begleitet: den Wölfen Geri und Freki (der Gierige und der Gefräßige) und den Raben Hugin (Gedanke) und Munin (Gedächtnis/Erinnerung), die Odin Nachrichten aus der Welt zutragen.

Odin mit Hugin und Munin

Odin wird Allvater genannt, weil er der Vater „aller“ Götter ist,  und Walvater, da alle seine Wunschsöhne sind, die auf der Walstatt (dem Schlachtfeld) fallen. Sein Aufenthaltsort ist Walhall (die Halle der in der Schlacht Gefallenen), wo er die Einherjer (mutige gefallene Krieger) von den Walküren (mythische streitbare Jungfrauen) um sich versammeln lässt, um für die letzte Schlacht am Ende der Welt (Ragnarök) gerüstet zu sein.

Odin auf Sleipnir mit Walküren im Hintergrund
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Von seinem Hochsitz Hlidskjalf aus überblickt Odin die Welt. Der Speer Gungnir ist Odins Attribut.  Er besitzt den Ring Draupnir, von dem in jeder neunten Nacht acht neue Ringe abtropfen. Der Zwerg Sindri schuf diesen Ring, zusammen mit dem Hammer Mjölnir für Thor.

In Odins Runenlied, eins der drei Lieder der Havamal aus der Edda (der nordischen Liedersammlung), wird berichtet, dass Odin von seinem eigenen Speer verwundet neun Tage und Nächte ohne Speis und Trank an der Weltesche Yggdrasil hang und Runen ersann. Wie es dazu kam, erklärt das Lied nicht.

Odins Frau ist die Göttin Frigg, die Hüterin der Ehe. Oft verkleidet er sich und durchstreift in Tiergestalt oder als Wanderer mit einem großen, tief ins Gesicht gezogenen Hut die Welt. Odins Großvater ist Buri, ein Mann, den die Urkuh Audhumla (auch Audhumbla) am Beginn der Schöpfung aus dem salzigen Eis leckte. Buri wird zum Ahnherr der Asen, einem Göttergeschlecht, dem auch Odin angehört. Buris Sohn Bör vermählte sich mit der Riesentochter Bestla und zeugte mit ihr Odin, Vili und Ve. Die drei Brüder zogen los und erschlugen den Urriesen Ymir, einen Eis- bzw. Frostriesen, in dessen Blut fast alle anderen Eisriesen, auch Hrimthursen genannt, ertrinken. Aus Ymirs Leib bildeten Odin, Vili und Ve die Welt: aus seinen Knochen die Berge, seinem Fleisch die Erde und seinem Schweiß das Meer.

Am Strand des Meeres finden die drei Asen zwei Baumstämme, aus denen sie Askr und Embla schaffen, das erste Menschenpaar. Somit ist Odin zusammen mit seinen Brüdern in der germanischen Mythologie der Schöpfer der Menschen und ihrer Welt.

Unter dem Weltenbaum Yggdrasil entspringt eine Quelle der Weisheit, die von dem Riesen Mimir gehütet wird und deshalb auch Mimirs Brunnen heißt. Um aus dieser Quelle zu trinken, musste Odin ein Auge opfern. Seitdem ist er einäugig. Mimir wird von den Wanen geköpft, einem anderen Göttergeschlecht, gegen das die Asen Krieg führten. Mimirs Haupt schickten die Wanen den Asen. Odin gelang es, das Haupt zu konservieren und am Leben zu erhalten. Oft holt sich Odin von Mimirs Haupt weisen Rat ein.

In der Germania des Römers Tacitus, einer frühen Schrift über die Germanen, wird Odin mit dem römischen Gott Merkur gleichgesetzt.

Wotan, Wodan

Odin ist der nordische Namen des Gottes. Im Deutschen heißt Odin Wodan, althochdeutsch Wuotan. Zu klären wäre, ob der bekanntere Name Wotan nicht vielleicht ganz auf Richard Wagner zurückgeht? In der Deutschen Mythologie von Jacob Grimm (1834) kommt diese heute bekannteste Schreibweise noch nicht vor. Statt dessen nennt Grimm neben Wodan und Wuotan auch die Schreibweisen Vodans und Woatan, Guodan, Gudan, Voden und Weda.

Richard Wagner beliebte, sehr frei mit den Sagen, die ihn inspirierten, umzugehen. So nannte er den Feuergott Loki z.B. in Loge um, Frigg in Fricka. Manches, was man heute für urgermanisch hält, stammt aus Wagners Musikdramen. Der Hörnerhelm, mit dem die Germanen auf vielen Illustrationen ausgestattet sind, ist eine Requisite aus Wagners Ring des Nibelungen, keine originäre germanische Kopfbedeckung.

Wagner mischt in seinem Ring des Nibelungen Elemente aus der Edda, dem Nibelungenlied und eigenen Ideen.

(Von Wagners  Ring des Nibelungen sollen hier einige wenige Grundzüge wiedergegeben werden, soweit sie den Gott Wotan betreffen. Die Namen der Figuren, wie sie in der Edda, bzw. im Nibelungenlied heißen, sind in Klammern hinter Wagners Namengebung gesetzt.)

Wotan (Odin) lässt sich von den Riesen Fasolt und Fafner (Fafnir) die Burg Walhall bauen. Er versucht, die Riesen um ihren Lohn zu prellen, muss ihnen aber schließlich das Gold der Nibelungen als Bezahlung besorgen. Hierzu steigt er mit dem Feuergott Loge (Loki) in das unterirdische Reich der Zwerge, der Nibelungen, herab. Hier fangen Wotan und Loge mit List den Zwerg Alberich (Andwari), der ihnen als Lösung das Gold überlassen muss, und vor allem einen zauberkräftigen – aber verfluchten – Ring, den Alberich aus dem Rheingold geschmiedet hatte, das er den Rheintöchtern, drei Nixen, raubte.

Nachdem die Riesen das Gold und den Ring erhalten haben, erschlägt Fafner seinen Bruder Fasolt, verwandelt sich in einen Drachen und bewacht den Hort.

Der Fluch des Ringes bewirkt, dass jeder, der ihn besitzt große Macht hat, ihrer aber nicht froh wird, da er der Liebe verlustig geht, während alle anderen nach dem Besitz des Ringes gieren. Wotan befürchtet, dass der Fluch die Weltordnung zerstören wird. Er zeugt als Werwolf Wälse die Wälsungen, Siegmund und Sieglinde, ein Heldengeschlecht, dass die Ordnung wieder herstellen soll. Siegmund und Sieglinde werden von Wotan als Wälse fernab der Gesellschaft und ihren Sitten erzogen.  So will Wotan sie der Wirkung und des Fluchs des Ringes entziehen. Jedoch sind die Wälsungen den anderen Menschen wegen ihrer abweichenden Sitten verhasst. Das Wolfsnest wird überfallen, Sieglinde entführt. Siegmund muss fliehen. Von seinem Vater findet er nur noch ein Wolffell im Forst und glaubt ihn tot.

Siegmund findet Sieglinde später wieder und zeugt mit ihr inzestuös Siegfried. Wotan bestimmt die Walküre Brünhilde dazu, das Paar vor den Anfeindungen der Menschen zu schützen, muss aber schließlich dem Drängen seiner Frau Fricka (Frigg) nachgeben, die eine Bestrafung des Inzests verlangt. Brünhilde versucht, das Paar gegen Wotans Willen vor dem Tod zu schützen, kann aber schließlich nur der schwangeren Sieglinde das Leben retten. Hier erklingt der bekannte Walkürenritt. Für ihren Ungehorsam versenkt Wotan Brünhilde in einen Dauerschlaf. Sie muss dem Mann folgen, der sie daraus erweckt. Damit jedoch kein Unberufener Brünhilde erwecken kann, schützt Wotan die Schlafende durch einen Feuerring.

Siegfried wächst bei dem Zwerg Mime (Regin) auf. Er tötet den Drachen Fafner und begegnet Wotan, ohne in ihm seinen Vater zu erkennen. Im Kampf zerschmettert er Wotans Speer. Schließlich erweckt er Brünhilde. Im letzten Teil des Ring des Nibelungen, der Götterdämmerung, wird Siegfried von Hagen ermordet. Es erfolgt, von Brünhilde angefacht, der Weltenbrand und der musikalisch angedeutete Beginn einer neuen Welt. Richard Wagner übergeht also die Rache der Gutrune (Kriemhild) und lässt die Geschichte des Nibelungenlieds in die Völuspa, dem Lied vom Weltende in der Edda, übergehen.