Odins Raben, sein Ross Sleipnir und seine Wölfe Geri und Freki

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Die Wölfe Geri und Freki und die Raben Hugin und Munin sind Odins Tiere. Sein Reitpferd ist das achtbeinige Ross Sleipnir, dessen Mutter der Feuergott Loki ist. Wie Loki zu dieser Mutterschaft kam, erzählt die Sage vom Riesenbaumeister im Gylfaginning (Gylfis Verblendung), dem ersten Teil der Jüngeren Edda.

Sleipnir

Einst bot ein Riesenbaumeister den Asen (den Göttern) an, einen Wall um Asgard zu bauen. Als Lohn dafür forderte er die Sonne, den Mond und die Göttin Freya. Auf Lokis Rat hin nahmen die Asen das Angebot unter der Bedingung an, dass der Lohn nur gezahlt werde, wenn das Bauwerk in einem Winter fertig wird.

Sleipnir, Odins achtbeiniges Ross
Sleipnir in höherer Auflösung (1000 x 700 Pixel)

Dies hielten die Asen für unmöglich. Aber zu ihrem Schrecken zog der Hengst des Baumeisters, Swadilfari, riesige Steine herbei, so dass der Wall kurz vor Ende des Winters fast fertig war. Um die Arbeit zu verzögern, verwandelte sich Loki in eine Stute und lockte Swadilfari von der Baustelle fort. Als der Baumeister sah, dass er durch die versäumte Zeit den Wall nicht mehr fristgerecht fertig stellen würde, geriet er in Riesenzorn. Nun erkannten die Asen in ihm einen der Bergriesen, die zu ihren Erzfeinden gehörten, und Thor erschlug ihn mit seinem Hammer Mjölnir.

Loki war aber von dem Hengst Swadilfari schwanger geworden und gebar ein graues Fohlen mit acht Beinen: Sleipnir. Dies ist das beste Pferd bei den Göttern und bei den Menschen, heißt es in der Edda.

Geri und Freki

Wie Odin zu den beiden Wölfen Geri und Freki kam, darüber erfahren wir etwas in der Nacherzählung der Mythen von Ernst Bratuschek („Germanische Göttersage“):

Die Riesin Angurboda (auch Angurbodha oder Angrboda) lebte im Eisenwald (dem Jarnwith oder Jarnwidr), der in Utgard, der Außenwelt liegt.

Utgard heißt ein kaltes Gestade östlich von Midgard, aber auch eine Burg, Sitz des Riesen Utgardloki. Es ist nicht einfach, aus den verschiedenen Quellen eine eindeutige geografische Lage abzuleiten. Am plausibelsten erscheint mir dies: Midgard, die Mittelwelt der Menschen wird ringförmig von einer Außenwelt umgeben. Diese Außenwelt, oder zumindest ihr östlicher Teil, heißt Utgard. Den gleichen Namen trägt der Hauptsitz dieses Gebiets, die Burg Ugard. Jötunheim, das Land der Eisriesen, ist mit Utgard gleichzusetzen oder ein Teil davon. Im Gebiet Utgard liegt der Eisenwald.


Bei Angurboda (der Kummerbringerin) trafen sich die anderen Riesenweiber aus Utgard. Durch Zaubergürtel verwandelten sie sich in Wölfe und vermochten in dieser Gestalt zu fliegen. Sie versammelten sich jede Nacht, um bösen Rat abzuhalten. Die Zauberfrauen bekamen Zulauf und es entstand ein Geheimbund von Unholdinnen, die sich Jarnwidien (Eisenwaldfrauen) nannten.

Angurboda im Eisenwald
Angurboda in höherer Auflösung (2000 x 1300 Pixel)

Angurboda wird durch den Feuergott Loki zur Mutter dreier Ungeheuer: dem Fenriswolf, der Midgardschlange und Hel, der Herrscherin über das Totenreich. In der Edda heißt es, jenes alte Riesenweib gebar viele Riesenkinder, alle in Wolfsgestalt, und von ihr stammen die Wölfe ab. Auch Garm, der Höllenhund der Hel, und auch der mächtigste der Wölfe: Managarm (Mondhund), der sich vom Fleisch gestorbener Menschen ernährt und der einst den Mond verschlingen wird.

Bei Bratuscheck heißt es, dass sich Odin mit den anderen Göttern zum Eisenwald begab. Hier fanden sie ein altes Riesenweib, welches an einem Feuer zwei Wölfe fütterte. Die Tiere rannten auf die Götter zu, legten sich dann aber demütig zu Odins Füßen. Wütend verfluchte das Weib die Wölfe und wollte herausschreien, dass ihnen und den Göttern bald durch Fenrirs Vater Schlimmes geschehen würde, da wurde die Riesin von den Flammen ihres Feuers ergriffen und verbrannte. So verhinderte der Feuergott Loki, dass die Riesin den Göttern verriet, dass er der Vater des Fenriswolfes ist. In Wolfsgestalt näherte Loki sich später der Stätte, wo das Weib verbrannt war, kratzte aus der Asche das gesottene Herz der Alten hervor und verschlang es.

Die beiden Wölfe aber blieben bei Odin. Er nannte sie Geri und Freki, der Gierige und der Gefräßige. In der Edda heißt es, Odin bedürfe keiner Speise. In Walhall trinkt er nur Wein und verfüttert seine Portion von den Speisen, die gereicht werden, an Geri und Freki.

Geri und Freki mit Hugin und Munin auf dem Schlachtfeld
Odin ist der Totengott, der die in der Schlacht Gefallenen von Walküren (streitbaren Jungfrauen) nach Walhall bringen lässt. Daher sind ihm Tiere des Schlachtfelds, Wölfe und Raben, an die Seite gestellt.

Hugin und Munin

Über die Raben Hugin und Munin erfahren wir in den Sagen wenig. Sie sitzen auf Odins Schultern, der daher auch Rabengott genannt wird, und sagen ihm ins Ohr, was sie erspäht und erlauscht haben. Morgens schickt Odin sie auf Kundschaft aus. Sie überfliegen die ganze Welt und kehren zur Frühstückszeit zurück, um ihm die Neugkeiten, die sie erfahren haben, zu überbringen.

Hugin bedeutet „der Gedanke“, Munin „die Erinnerung“.