Surtur, der Feuerriese

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Der Feuerriese Surtur hat in der Geschichte von der Schöpfung der Welt bis zur Götterdämmerung (zu finden in der „Gylfaginning“: Gylfis Verblendung – ein Abschnitt der Jüngeren Edda) einen Auftritt am Anfang und am Ende. Während andere Schöpfungsmythen das Chaos an den Anfang setzen, beginnt die Welt im nordischen Mythos mit viel Eis. Mit gefrorenem Wasser aus der Quelle Hvergelmir (auch Hwergelmir) an der Wurzel der Weltesche Yggdrasil.

Durch die Hitze des Feuerreichs im Süden, Muspelheim, dessen Entstehung der Mythos nicht erklärt, beginnt das Eis zu schmelzen. Aus dem Dunst entsteht der Urriese Ymir und schließlich die ganze restliche Welt. (Über Muspelheim siehe auch Die 9 Welten.)

Das Feuerreich Muspelheim (auch Muspellheim) wird in der Edda sowohl schlimm als auch schön beschrieben. Schlimm insofern, als Muspelheim heiß, flammend und brennend und daher unzugänglich ist. Schön, weil die Gegend um das Feuerreich milde ist durch die fliegenden Funken aus Muspelheim, die die Götter schließlich als Sterne an den Himmel setzen.

Der Feuerriese Surtur und sein Flammenschwert Surtalogi

Der Feuerriese Surtur ist vermutlich mit Muspel (Muspell) gleichzusetzen, dem Herrscher von Muspelheim. Über Surtur erfahren wir zunächst nur, dass er mit einem flammenden Schwert die Grenze von Muspelheim bewacht. Über Muspel – sofern er nicht mit Surtur gleichzusetzen ist – gar nichts. Nur von Muspels Söhnen ist die Rede, die aber nicht als Individuen auftreten und die man sich wohl am ehesten als (personifizierte) Flammen vorstellen darf.

Muspels Söhne

Surturs Name (auch Surt) ist eine Eindeutschung des altnordischen Surtr. Das bedeutet: Der „Schwarze“. Surtur verkörpert also eigentlich weniger das lodernde Feuer, sondern dessen Rauch, vielleicht auch Ruß, verkohltes Holz.

Surtr, der Schwarze

Surturs großer Auftritt kommt erst am Ende der Erzählung vom Entstehen und Vergehen der Welt. Muspels Söhne kommen  geritten, heißt es in Snorris Edda, Surtur an ihrer Spitze. Als sie über die Brücke Bifröst (die Regenbogenbrücke nach Asgard) reiten, zerbricht diese. Nach einer anderen Version zertrennt Surtur den Bifröst mit seinem Feuerschwert Surtalogi.

Außer Surtur und seinem Heer kommen auch der Fenriswolf, die Midgardschlange und Loki mitsamt dem ganzen Gefolge der Totengöttin Hel zur Schlacht. Zwei Heere des „Bösen“ stehen also gegen die Asen (die Götter): Das Heer um Loki und Muspels Söhne, die laut Snorri Sturluson ihre eigene glänzende Schlachtordnung haben, mit Surtur an der Spitze.

Auf der Ebene Wigrid findet die Schlacht statt. Die meisten Kämpfer lassen ihr Leben: Thor tötet die Midardschlange, stirbt aber durch ihr Gift. Odin wird vom Fenriswolf verschlungen, diesen tötet wiederum der Ase Widar. Surtur tötet Freyr, einen Fruchtbarkeitsgott. Am Schluss schleudert Surtur Feuer über die Erde und verbrennt die ganze Welt.

Surturs Lohe

Die ganze Welt? Dies wird in der Edda sogleich dementiert: Aus der See taucht die Erde wieder auf, grün und schön. Die Asen Widar und Wali leben noch, auch Thors Söhne  Modi und Magni. Dazu stoßen weitere Asen (z. B. Baldur) aus dem Totenreich Hel.

Auch zwei Menschen überleben Surturs Lohe und nähren sich vom Morgentau: Die Frau Lif und der Mann Lifthrasier. Sie werden die Stammeltern eines neuen Menschengeschlechts. Der Weltuntergang in der Edda ist also ein Neuanfang.